Schüleraustausch 2025/2026

Fiona Kaiser berichtet aus Worthington

eine jung Frau steht an einer Tafel, die die Städtepartnerschaft Crailsheim-Worthington darstellt
Ein Jahr lang durfte Fiona Kaiser erfahren, was gelebte Städtepartnerschaft bedeutet.

Fiona Kaiser, Austauschschülerin aus Crailsheim, hat ein Jahr in Worthington, Minnesota (USA), verbracht. In ihrem letzten Brief berichtet sie vom Besuch ihrer Familie in den USA, von Roadtrips und Freundschaften und davon, wie ihr das Austauschjahr in Erinnerung bleiben wird.

Hallo Crailsheim,
heute melde ich mich ein letztes Mal bei Euch, und es ist wirklich verrückt, wie schnell dieses Jahr vergangen ist. Mittlerweile bin ich wieder zurück in Deutschland und kann kaum glauben, dass mein Austauschjahr in den USA tatsächlich schon vorbei ist. Es kommt mir vor, als wäre ich gerade erst in Minnesota angekommen. Dabei liegt inzwischen ein ganzes Jahr voller neuer Erfahrungen, Freundschaften und unvergesslicher Erlebnisse hinter mir.

In meinen letzten Monaten in den USA ist noch einmal einiges passiert. Nachdem ich Euch in meinem letzten Bericht von meinem Alltag und den Erlebnissen im Frühjahr erzählt habe, wurde es langsam Zeit, sich auf den Endspurt meines Austauschjahres einzustellen. Ein besonderer Moment war natürlich der Besuch meiner Eltern und meiner kleinen Schwester Mitte Mai.

Nach fast neun Monaten konnte ich sie endlich wieder in die Arme schließen und ihnen zeigen, wie ich in Worthington lebte. Sie lernten meine Freunde, meine Gastfamilien und meine Schule kennen. Es war schön, dass die Menschen aus meinem Leben in Deutschland und die Menschen, die ich in den USA kennengelernt hatte, sich endlich begegnen konnten.

Zeit zum Reisen
Natürlich wollten wir die gemeinsame Zeit auch zum Reisen nutzen. Wir besuchten Chicago und Minneapolis und verbrachten Zeit in der Mall of America. Ein weiteres Highlight war ein Baseballspiel der Milwaukee Brewers. Da ich vorher noch nie bei einem professionellen Baseballspiel gewesen war, war das eine ganz neue Erfahrung. Besonders die Atmosphäre im Stadion und das ganze Erlebnis rund um das Spiel waren beeindruckend. Es war schön, meinen Eltern nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten zu zeigen, sondern auch einige Dinge, die inzwischen ganz selbstverständlich zu meinem amerikanischen Alltag gehörten.

Währenddessen rückte auch das Ende meines Schuljahres immer näher. Die letzte Schulwoche an der Worthington High School war eine Mischung aus Vorfreude und Wehmut. Einerseits freute ich mich auf die Graduation und die bevorstehenden Erlebnisse mit meiner Familie. Andererseits wurde mir immer bewusster, dass viele Dinge bald zum letzten Mal stattfinden würden. Am letzten Schultag durften wir Austauschschüler ein letztes Mal gemeinsam über die Lautsprecher der Schule den Pledge of Allegiance sprechen. Was am Anfang meines Austauschjahres noch neu und ungewohnt gewesen war, gehörte inzwischen ganz selbstverständlich zu meinem Schulalltag.

Graduation und viel Freizeit
Kurz darauf fand die Graduation statt, bei der meine Eltern ebenfalls dabei waren. In Cap und Gown über die Bühne zu laufen und meinen Abschluss entgegenzunehmen, fühlte sich ziemlich surreal an. Wenn ich daran denke, wie ich wenige Monate zuvor noch neu an der Schule angekommen war, ist es kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Danach wurde meine Graduation Party bei Pat und Ken Henkels gefeiert. Vielen Dank an die beiden, dass sie ihr Zuhause dafür zur Verfügung gestellt haben. Es war schön, noch einmal mit Freunden, Gastfamilien und vielen anderen Menschen zusammenzukommen, die mein Austauschjahr begleitet und möglich gemacht haben.

Nach der Graduation ging unsere gemeinsame Zeit weiter. Wir reisten nach Omaha und besuchten dort den Zoo. Am nächsten Tag stand noch einmal ausgiebiges Shoppen auf dem Programm. Außerdem konnte ich meinen Eltern eines meiner liebsten Restaurants in den USA zeigen: Olive Garden. Es war schön, ihnen auch solche Orte zu zeigen, die für mich inzwischen zu meinem amerikanischen Leben gehörten. Nach diesen gemeinsamen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen. Meine Eltern und meine kleine Schwester flogen zurück nach Deutschland, während ich noch einige Wochen in Minnesota bleiben durfte.

Eine Familie steht vor einem Berg mit Gesicht
Auch ein Besuch des Mount Rushmore in den Black Hills durfte nicht fehlen.

Der Abschied naht
Für mich begann damit der letzte Abschnitt meines Austauschjahres. Ich zog zu den Doyschers, bei denen ich die nächsten Wochen verbringen durfte. Zu ihrer Familie gehörten meine Gasteltern Charon und Pat, ihre Tochter Erin und ihr Hund Lincoln. Wir kochten oft zusammen, verbrachten Zeit miteinander und unternahmen verschiedene Ausflüge. Ein besonderes Erlebnis war unser Besuch im Arnold’s Park, einem Freizeitpark. Dort konnten wir gemeinsam Fahrgeschäfte ausprobieren und einen schönen Tag verbringen. Gerade solche Unternehmungen machten die letzten Wochen noch einmal besonders, weil ich die Zeit mit meiner Gastfamilie bewusst genießen wollte.

Auch abseits solcher Ausflüge gab es viele schöne Momente. Ein weiterer Roadtrip führte uns in den Norden Minnesotas. Gemeinsam mit Charon, ihrer besten Freundin Lisa und Erin erkundete ich verschiedene State Parks. Dabei konnte ich noch einmal ganz andere Seiten des Bundesstaates kennenlernen. Die Landschaft, die Natur und die gemeinsame Zeit unterwegs machten den Ausflug zu einer tollen Erinnerung.

Reise in die Black Hills
Ein weiterer großer Höhepunkt meiner Zeit in den USA waren die Black Hills mit der neuen Austauschschülerin Mikeayla Engidaw und ihrer Familie. Die Reise führte mich in eine ganz andere Landschaft als die, die ich aus Minnesota kannte. Besonders Mount Rushmore mit den in den Fels gemeißelten Präsidentenköpfen einmal selbst zu sehen, war beeindruckend. Die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten machten den Ausflug zu einem Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nach all den Monaten in Minnesota war es schön, noch einmal eine andere Region der USA zu entdecken und zu merken, wie vielfältig das Land ist. Gerade solche Reisen gehörten zu den Dingen, die mein Austauschjahr so besonders machten.

Auch der Lake Okabena blieb ein wichtiger Teil meines Sommers. An warmen Tagen traf ich mich dort mit Freunden, wir verbrachten gemeinsame Lake Days, entspannten am Wasser und genossen das schöne Wetter. Oft brauchte es gar kein großes Programm, um eine gute Zeit zu haben. Einfach zusammenzusitzen, zu reden und zu lachen, war manchmal schon genug. Heute sind es genau diese alltäglichen Momente, die ich besonders mit meinem Leben in Worthington verbinde.

Hochzeit und Crailsheimer Delegation
Ein weiteres besonderes Erlebnis war eine Hochzeit, zu der ich eingeladen war. Es war spannend, eine amerikanische Hochzeit einmal selbst mitzuerleben und nicht nur aus Filmen zu kennen. Schon die Atmosphäre war etwas Besonderes: Familie und Freunde kamen zusammen, es wurde gemeinsam gegessen, gelacht und getanzt. Für mich war es eine tolle Möglichkeit, noch mehr vom amerikanischen Familienleben kennenzulernen und eine Erinnerung zu sammeln, die über die typischen Sehenswürdigkeiten und Ausflüge hinausgeht.

Ein ganz besonderer Moment war außerdem der Besuch der Delegation aus Crailsheim, die anlässlich der Regatta nach Worthington kam. Nach so vielen Monaten in den USA war es richtig schön, bekannte Gesichter aus Crailsheim wiederzusehen. Für einen Moment fühlte es sich an, als wäre ein kleines Stück Heimat nach Minnesota gekommen. Wir konnten uns austauschen und gemeinsam Zeit verbringen. Dabei wurde mir noch einmal bewusst, wie besonders die Verbindung zwischen unseren beiden Städten ist und wie viele Menschen dazu beitragen, dass junge Menschen solche Erfahrungen machen können.

Leider rückte damit auch mein Abschied von den Doyschers näher. Eigentlich hätte ich noch zwei weitere Wochen bei ihnen verbringen können, aber sie reisten nach Europa, um den Abschluss ihrer Gasttochter Sophie mitzuerleben. Deshalb musste ich mich schon früher von ihnen verabschieden als ursprünglich geplant. Das fiel mir wirklich schwer. In der gemeinsamen Zeit war ich ein Teil ihres Alltags geworden, und wir hatten viele schöne Momente miteinander erlebt. Ich war sehr dankbar, dass sie mich aufgenommen hatten, und hätte gerne noch etwas länger bei ihnen gewohnt. Gleichzeitig freute ich mich, dass sie selbst diese besondere Zeit mit Sophie erleben konnten.

eine junge Frau in Talar steht vor einer Schule
Fiona Kaiser feierte ihre Graduation an den Worthington High School.

Ein ganz besonderer Unabhängigkeitstag
Für meine letzten zwei Wochen nahmen mich deshalb meine Freundin Keirsha und ihre Familie bei sich auf. Ich kannte Keirsha bereits gut, unter anderem waren wir zusammen beim Prom gewesen. Dadurch fühlte ich mich bei ihr schnell wohl. Es war schön, die letzten Tage bei einer Freundin verbringen zu können und noch einmal besonders viel Zeit mit ihr und anderen Freunden zu haben.

Anfang Juli stand außerdem der amerikanische Unabhängigkeitstag, der Fourth of July, an. Zusammen mit Keirsha und weiteren Freunden verbrachte ich den Feiertag in Okabena. Wir waren mit mehreren Leuten zusammen, genossen den Tag am Wasser und schauten später gemeinsam das Feuerwerk an. Die Stimmung war richtig schön. Der Fourth of July gehört zu den Feiertagen, die man während eines USA-Aufenthalts unbedingt einmal selbst erleben sollte. Überall wurde gefeiert, und es war toll, diesen Tag gemeinsam mit Freunden zu verbringen. Gleichzeitig wusste ich, dass es einer meiner letzten großen Sommertage in den USA sein würde.

Familienfeier, Kino, Koffer packen
Und dann waren meine letzten Tage in Worthington tatsächlich da. Meine erste Gastfamilie organisierte noch eine kleine Familienfeier für mich, die wirklich schön war. Es bedeutete mir viel, noch einmal mit ihnen zusammenzukommen und mich in Ruhe verabschieden zu können. Daneben nutzte ich die verbleibende Zeit für letzte Shoppingausflüge und Treffen mit meinen Freunden. Wir versuchten, noch möglichst viele gemeinsame Momente zu sammeln, obwohl wir alle wussten, dass ich bald abreisen würde.

An meinem letzten Tag gingen wir noch gemeinsam ins Kino. Danach musste ich endgültig meine Koffer packen. Es war ein komisches Gefühl, all meine Sachen zusammenzusuchen und zu wissen, dass ich mein Zimmer und meinen Alltag in Worthington bald zurücklassen würde. Während des Jahres hatte ich mich an so vieles gewöhnt: an die Schule, die Menschen, die Wege und die kleinen Routinen. Jetzt sollte all das plötzlich nicht mehr zu meinem täglichen Leben gehören. Besonders schwer waren die Abschiede von meinen Freunden, denn nach fast einem Jahr waren sie für mich viel mehr als nur Bekanntschaften geworden.

Am Tag meiner Abreise brachten mich meine Gastmutter Kelly aus meiner zweiten Gastfamilie und eine Freundin der Familie zum Flughafen in Minneapolis. Auf dem Weg machten wir noch einen Stopp beim großen gelben Süßigkeitenladen, den wahrscheinlich jeder kennt, der schon einmal in Minnesota war. Natürlich durfte dieser letzte kleine Ausflug nicht fehlen. Am Flughafen wurde es dann ernst. Nach dem Einchecken und der Sicherheitskontrolle musste ich mich endgültig verabschieden. Ich war traurig, die Menschen und mein Leben in den USA zurückzulassen, und gleichzeitig gespannt darauf, meine Familie in Deutschland wiederzusehen.

zwei junge Frauen sitzen in einem Boot auf einem See und lachen in die Kamera
Mit Freunden und Gastfamilien verbrachte Fiona Kaiser eine gute Zeit.

Und wieder zurück
Zurück in Deutschland war es natürlich schön, meine Familie und Freunde wieder in die Arme schließen zu können. Trotzdem fühlte sich vieles zunächst ungewohnt an. Nach fast einem Jahr in den USA musste ich mich wieder an den deutschen Alltag gewöhnen. Es war seltsam, plötzlich wieder Deutsch zu sprechen, vertraute Orte zu sehen und in mein „deutsches“ Leben zurückzukehren, obwohl ich mich selbst in dieser Zeit verändert hatte. Und obwohl ich mich freue, wieder hier zu sein, vermisse ich meine Freunde, Gastfamilien und das Leben in Minnesota sehr.

Wenn ich auf mein Austauschjahr zurückblicke, kann ich kaum glauben, wie viel ich erlebt und gelernt habe. Es waren nicht nur die großen Reisen, die Graduation oder die besonderen Veranstaltungen, die dieses Jahr ausgemacht haben. Es waren auch die vielen kleinen Dinge: gemeinsame Mahlzeiten, spontane Ausflüge, Gespräche im Auto, Treffen am Lake Okabena und die Menschen, die irgendwann ganz selbstverständlich zu meinem Alltag gehörten. Natürlich gab es auch schwierige Momente und Tage, an denen ich meine Familie und Freunde in Deutschland vermisst habe. Ein Austauschjahr besteht eben nicht nur aus schönen Erlebnissen, sondern auch daraus, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und Herausforderungen zu meistern. Gerade daran bin ich gewachsen. Ich bin selbstständiger geworden, habe mich auf neue Menschen eingelassen und gelernt, dass man manchmal einfach den ersten Schritt machen muss, damit aus einer fremden Umgebung ein Zuhause werden kann.

Große Dankbarkeit
Besonders dankbar bin ich meinen Gastfamilien, die mich bei sich aufgenommen und mir ein zweites Zuhause gegeben haben. Jede Familie hat mir auf ihre eigene Weise einen Einblick in das amerikanische Leben ermöglicht und dafür gesorgt, dass ich mich willkommen fühlen konnte. Auch meinen Freunden, Lehrern, Coaches und allen anderen Menschen, die mein Jahr begleitet haben, möchte ich Danke sagen. Sie haben meinen Alltag geprägt und aus vielen einzelnen Erlebnissen ein Jahr gemacht, das ich nie vergessen werde.

Ein großer Dank geht außerdem an das Crailsheim- und das Worthington-Komitee sowie an die Stadt Crailsheim. Ich durfte nicht nur ein anderes Land kennenlernen, sondern auch Freundschaften schließen, neue Perspektiven gewinnen und Erinnerungen sammeln, die mich noch lange begleiten werden.

Wenn ich heute gefragt werde, wo mein Zuhause ist, fällt mir die Antwort gar nicht mehr so leicht. Deutschland wird immer meine Heimat bleiben. Hier sind meine Familie, meine Freunde und mein Leben. Gleichzeitig ist Worthington für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Dort habe ich Menschen kennengelernt, die mir unglaublich wichtig sind, und einen Alltag erlebt, den ich mir vor meiner Abreise kaum hätte vorstellen können. Es ist ein besonderes Gefühl, an zwei Orten Menschen zu haben, die man vermisst und zu denen man gerne zurückkehren würde.

Deshalb möchte ich nicht endgültig Lebewohl sagen, sondern lieber an Winnie Puuh denken: Es ist kein Abschied für immer, sondern ein „Bis später“. Ich hoffe sehr, dass ich eines Tages nach Worthington zurückkehren kann. Auch wenn zwischen Deutschland und Minnesota viele Kilometer liegen, werde ich die Zeit dort und die Menschen, die sie so besonders gemacht haben, nie vergessen. Vielen Dank für dieses unvergessliche Jahr.

Liebe Grüße
Fiona

(Erstellt am 21. Oktober 2026)