Volksfest
Hereinspaziert!
Riesenrad, Festzelt, Krämermarkt und zahlreiche Fahrgeschäfte: Dafür ist das Fränkische Volksfest weit über die Region hinaus bekannt. Doch es gibt etwas, das genauso untrennbar mit der Crailsheimer fünften Jahreszeit verbunden ist: Der Eilooder.
Hoch oben thront er, mit einem strahlenden Lachen im Gesicht. Als wüsste er schon genau, was die Besucherinnen und Besucher erwartet, wenn sie unter seinen Füßen durch das mit Reisig geschmückte Tor auf das Gelände des Fränkischen Volksfestes laufen. Sein grüner Gehrock und der Dreispitz lässt ihn etwas altmodisch erscheinen; seine Botschaft aber hat an Aktualität bis heute nichts verloren: Hereinspaziert, scheint er zu sagen, und auch seine einladende Handbewegung wird ihm mehr als gerecht.
Für alle, die im Hohenlohischen Dialekt nicht ganz sicher unterwegs sind: Der Eilooder, das heißt so viel wie Einlader. Und als solcher ist die Figur auf dem Eingangstor auch gedacht: Als Einlader zum Volksfest, zu vier Tage voller Spaß, Geselligkeit und Feierlaune.
Eilooder: Warum und seit wann?
Dass der Eilooder zum Volksfest gehört, ist klar. Vielmehr drängt sich die Frage auf, warum und seit wann es ihn gibt. Und da wird es spannend, da geht es auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. So erwähnt Frank Stiefel in seinem Buch „175 Jahre Crailsheimer Volksfest – Die fünfte Jahreszeit“, dass 1963 erstmal am Eingang des Vergnügungsparks ein großes, aus einem Holzgerüst bestehendes Portal, gekrönt vom Crailsheimer „Grüß-August“, aufgebaut wurde. Doch war dies wirklich die Geburtsstunde des Eilooders?
Wer in Plakaten und Mitteilungsblättern der damaligen Zeit gräbt, findet eine eindeutige Antwort: Nein. Denn die ursprüngliche Figur ist noch ein paar Jahre älter. Bereits in den 1950er Jahren war der Eilooder wohl schon als Volksfestsymbol bekannt, und das Hohenloher Tagblatt berichtet 1954 von einer Kunstharzplastik, die als Werbezeichen diente – dem Volksfesteinlader.
Alles Gute zum 75.
Der Entwurf hierfür stammt vom Crailsheimer Kunstmaler Gottlob Rettenmaier, und genau dieser Eilooder ist bereits in einem Mitteilungsblatt aus dem Jahr 1951 zu finden. Kurz zurückgerechnet, wird schnell klar: Der Eilooder feiert dieses Jahr seinen 75. Geburtstag. Ein weiteres Indiz für das Entstehungsjahr wird auch im Buch von Frank Stiefel erwähnt:
Die Tatsache, dass 1951 erstmals nach dem Krieg die Fränkische Familie beim Volksfestumzug wieder mit dabei war. Als „Pate“ lief damals wohl das Crailsheimer Original Wilhelm Volz mit, welcher viele Reden in Mundart hielt, Ehrengäste begrüßte und im Volksmund deshalb gerne mal „Eilooder“ genannt wurde. Gut möglich also, dass er das Vorbild für den symbolträchtigen Landsmann als Volksfestfigur war.
Änderungen und eine Rettung
75 Jahre, das ist ein stolzer Geburtstag. Und genug Zeit, in der sich so allerhand verändern kann – auch beim Eilooder. Am bedeutsamsten ist wohl der Beschluss der Stadtverwaltung im Jahr 1997, die Figur aus kostentechnischen Gründen abzuschaffen. Dass dieses Vorhaben bei vielen Crailsheimerinnen und Crailsheimern nicht auf Gegenliebe stößt, ist nicht schwer zu erraten.
Die Crailsheimer Landjugend wendet sich in der Folge an den Maschinenring, von dessen Seite das Angebot an die Stadtverwaltung kommt, den Aufbau zu übernehmen. Gesagt, getan. Zweige sammeln, Torbogen verkleiden, vom Eichelberg zum Volksfestplatz überführen: All das übernimmt fortan der Maschinenring, und auch die Schulen beteiligen sich zeitweise am Schmücken des Bogens. Und so ist die Abschaffung des Eilooders vom Tisch.
Aus ein mach zwei
Eine weitere Änderung folgt im Jahr 2013. Nachdem im Jahr zuvor ein Schaustellerfahrzeug das Tor beschädigt, stellt die Bühlertanner Firma Fuchs erstmals ein mehr als vier Meter hohes Metallgerüst auf – eine ganz neue Grundlage für den Eilooder, sozusagen. Ganz neu gedacht werden zwischendurch übrigens auch die Farben: Bei der Stadtverwaltung kommen schon ein paar Jahre zuvor Überlegungen auf, den Eilooder neu einzukleiden – ganz in Schwarz, statt in grüner Tracht.
Denn Grün entspricht eigentlich nicht der Kleidung der damaligen Zeit. Doch auch hier sprechen sich viele Volksfestfreunde dafür aus, die grüne Kleidung beizubehalten – gesagt, getan. Lediglich als Werbefigur auf Plakaten und Co. winkt der Eilooder seither in schwarzer Tracht. Im Laufe der Jahre folgen noch die ein oder andere künstlerische Abwandlung des Einladers, mal provozierend, mal humorig und charmant.
Der Crailsheimer Künstler Gerhard Frank sorgt 2014 für Gleichberechtigung und stellt dem altbekannten Eilooder die sympathisch lächelnde „Eilooderi“ zur Seite, eine Frau in fränkischer Tracht, die die Besucher seither ebenfalls zum Volksfest begrüßt.
Wenn der Eilooder in den nächsten Tagen wieder seinen Ehrenplatz hoch oben auf dem Torbogen einnimmt, heißt es bald schon wieder: Hereinspaziert, und willkommen zur Fünften Jahreszeit in Crailsheim.
