Waldbegehung 2026
Verschiedene Wege führen zum Ziel
Für die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Gemeinderat und Stadtverwaltung ging es beim diesjährigen Waldbegang bei bestem Wetter nach Westgartshausen – einerseits zur „Kontrolle“ der Bepflanzungsmaßnahmen im Distrikt Schlechtenberg, andererseits zu einem Rundgang durch das Naturschutzgebiet „Wacholderberg-Geigerswasen“ mit anschließender Besichtigung des angrenzenden neu gebauten Schafstalls.
Bevor die Gruppe sich am Schlechtenberg persönlich einen Eindruck von den Bepflanzungsmaßnahmen machen konnte, ließ es sich Patrick Haas, Leiter des Kreisforstamtes, nicht nehmen, ein paar grundlegende Dinge zum Stadtwald loszuwerden: „Sie stehen hier vor einem Teil der insgesamt 430 Hektar Stadtwald. Und jeder Hektar ist gelebte Verantwortung. Daher bin ich sehr froh, dass das Interesse von Seiten der Stadt sowie des Gemeinderates groß ist.“ Er erklärte im Schnelldurchgang, dass jeder am Tag mindestens zehn Mal mit dem Wald in Berührung kommt, selbst wenn er das Haus nicht verlässt – sei es durch Möbel, Papier in jeder Form, Celluloseprodukte wie Hygieneartikel, Karton oder auch daher, weil der Wald einen natürlichen Wasserfilter darstellt. „Und: Ein Festmeter Holz speichert eine Tonne CO², so lange es existiert, das darf man nicht vergessen.“ Daher sei der Blick auf den Wald einer, bei dem Stolz und Dank überwiege.
Finanziell aufwendig
Das Gebiet am Schlechtenberg war lange eine Problemzone, wie der Gemein-derat schon vor Ort 2024 erkennen musste: Das Fichten- und Kiefernsterben durch den Borkenkäfer sorgte dafür, dass die Fläche vor zwei Jahren abge-holzt werden musste. Zurück blieben ein schlechter Boden und eine Menge überwuchernder Brombeersträucher, denen man kaum noch mit herkömm-lichen Mitteln Herr werden konnte. Eine Wiederaufforstung? Schwierig, da finanziell sehr aufwendig.
Doch das hat sich nun geändert: Mittlerweile ist das Gebiet eine Ausgleichs-fläche für den Bürgerwindpark Bühlerzell. Da dort Wald gerodet wurde, muss er in der Nähe in gleicher Größe wieder aufgebaut werden. Von der Größe her passte das Gebiet in Westgartshausen optimal, also flossen die Ausgleichszahlungen hierher. Und führten dazu, dass nun mehr als 2.300 Bäume neu angepflanzt wurden, geschützt von biologisch abbaubaren Wuchshüllen. Ein Mischwald soll es werden, hitze- und käferresistent.
Insgesamt 1.300 Stieleichen wurden gepflanzt, dazu Roteichen, Wildkirsche, Elsbeeren und Feldahorn. Im Schnitt kostet ein Baumsetzling mit Verbiss-schutz rund elf Euro, etwa 10,30 Euro konnten durch die Ausgleichszahlun-gen abgedeckt werden und ermöglichten diese großzügige Aufforstung. „Na-türlich ist hier noch viel zu tun“, erklärte Revierförster Martin Doderer und verwies vor allem auf die Brombeere, die immer wieder zurückgedrängt werden müsse. Auch die Pflege zu Beginn sei aufwendig und damit kostenintensiv. Warum dann nicht gleich größere Bäume pflanzen, wurde aus den Reihen des Gemeinderates gefragt. Die Antwort hatte Patrick Haas: „Junge Bäume wachsen mehr nach oben, wenn sie dicht gesetzt werden, bilden gerade Stämme ohne viele Äste und macht das Holz am Ende wertvoller.“ Außerdem könne bei dieser Technik mit früheren Erträgen gerechnet werden.
Imposante Wacholderheide
Ein völlig anderes Bild erschloss sich den Teilnehmenden nur wenige Meter weiter im Naturschutzgebiet „Wacholderberg-Geigerswasen“. Das Gebiet umfasst rund 31 Hektar und wurde 1995 ausgewiesen. Ronja Rosenstein und Jakob Raidt vom Landschaftserhaltungsverband für den Landkreis Schwäbisch Hall e.V. führten die Gruppe durch große, weitläufige Magerwiesen auf sanften Hügeln, unterbrochen nur durch einzelne alte Bäume, den Resten des Hütewaldes, und große Wacholderbüsche. Die größte zusammenhängende Wacholderheide im schwäbisch-fränkischen Keuperbergland ist nicht nur ein bedeutsamer und vielfältiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern auch ein kulturhistorisches Zeugnis.
Entstanden ist sie traditionell durch Schafbeweidung – und so wird sie auch heute noch in Westgartshausen erhalten. Nur größere Gehölze werden maschinell entfernt, wenn diese zu dicht stehen. Die Wacholderheide zeichnet sich durch die lichte, vergleichsweise kurze Vegetation aus, so dass dort auch konkurrenzschwache Arten bestehen können, die an nährstoffreicheren Standorten keine Chance hätten. Beispiele dafür sind der Frühjahrsenzian und Orchideen wie das kleine Knabenkraut oder die Bocks-Riemenzunge. Außerdem charakteristisch sind Pflanzen, die entweder dornig, stachelig oder auch sehr bitter sind, und dadurch nicht von Schafen gefressen werden wie der Wacholder oder Silber- und Golddisteln.
Moderne Unterbringung
Zum Abschluss konnten die Teilnehmenden gleich auch noch die „lebenden Rasenmäher“ für die Wacholderweide bestaunen, die in direkter Nachbar-schaft in dem im vergangenen Jahr fertiggestellten hochmodernen Schafstall zu finden sind. Auf rund 1.200 Quadratmetern können dort hunderte Tiere unter optimalen Haltungsbedingungen untergebracht werden: Automatisierte Fütterung, optimale Belüftung und Lichtverhältnisse, großzügige Fläche – ein starkes Signal auch für den Naturschutz.
Beim abschließenden Vesper durch den Förderverein des SV Westgartshau-sen konnten die Teilnehmenden sich also über verschiedenste Themen aus-tauschen. Und sie konnten sehen, dass Natur- und Landschaftspflege auf verschiedene Arten funktionieren kann und vielleicht auch muss: Auf der ei-nen Seite traditionell durch Schafbeweidung ohne viele technische Eingriffe, auf der anderen Seite auch durch Aufforstungen, die in irgendeiner Form quersubventioniert werden müssen. Doch wenn das Ergebnis stimmt, kann beides nebeneinander funktionieren.