Bildung & Wirtschaft
Neuer Naturkindergarten in Beuerlbach startet
Zum 1. September startet der neue Naturkindergarten Grashüpfer in Beuerlbach. Hier können künftig 20 Kinder nach einem naturnahen Konzept betreut werden und die Wiesen und Wälder mit ihren Bewohnern erkunden.
Der Bauwagen steht bereit, die Wiese ist gemäht, und draußen laden eine Hangrutsche und ein großer Matschhügel zum Spielen und Toben ein: Wo bislang noch beschauliche Ruhe herrscht, wird sich schon bald lautes Kinderlachen zum Vogelgezwitscher gesellen. Ab 1. September nämlich eröffnet in Beuerlbach, in direkter Nachbarschaft zum Dorfgemeinschaftshaus, ein neuer Naturkindergarten.
Der Name Grashüpfer ist dabei Programm: Die Kinder werden, anders als in herkömmlichen Kindergärten, ihre Zeit größtenteils nicht in Innenräumen verbringen, sondern draußen auf der Wiese – eine Fläche, die bereits Teil des dort beginnenden Naturschutzgebietes ist und Zugang zum angrenzenden Stadtwald besitzt. 1200 Quadratmeter stehen zum Spielen, Toben, Lernen und Entdecken zur Verfügung, und wo es in anderen Kindergärten bunte Spielgeräte, Sandkästen und Klettergerüste gibt, so wartet der Beuerlbacher Kindergarten vor allem mit dem auf, was sowieso schon vorhanden ist: ganz viel Natur. „Wir haben natürlich auch einen Bauwagen, sollte die Witterung mal gar nichts anderes zulassen.
Aber vom Grundgedanken her verbringen wir unsere Zeit draußen“, erklärt Yvonne Stimpfig, die ab September die Leitung im Grashüpfer übernimmt. Im Mittelpunkt stehen dabei Pflanzenkunde, Naturbeobachtungen, Tiere und ihre Lebensräume – eben all das, was auf der Wiese und im benachbarten Wald um den Bauwagen herum lebt und wächst. Das Grundstück selbst ist dabei absichtlich einfach gehalten: Wiese, ein Hügel, ein Matschberg, eine Rutsche, und außenherum als Abgrenzung zahlreiche Baumstämme. „Wir wollen, dass unser Kindergarten mit den Kindern gemeinsam wächst. Da richten wir uns bei der Gestaltung ganz nach den Kindern: Vielleicht bauen wir gemeinsam Hochbeete, vielleicht ein Tipi, vielleicht richten wir eine Matschküche ein oder ein Insektenhotel – das alles ergibt sich dann gemeinsam“, so Stimpfig.
Vorbereitungen liefen Hand in Hand
Nachdem im Zuge des Kindergartenbedarfsplans im Gemeinderat der Beschluss gefasst wurde, den Naturkindergarten zu errichten, waren einige Vorarbeiten und Vorbereitungen nötig. „Wir haben uns ressortübergreifend gut ergänzt“, sagt Lisa Offenhäuser vom Ressort Bildung & Wirtschaft, Sachgebiet Kindertagesstätten. Zum einen in der Planung, wie das besondere Konzept dort umgesetzt werden kann, zum anderen in der Ausführung, bei der das Ressort Immobilienmanagement und vor allem auch der Baubetriebshof eine große Rolle gespielt haben.
„Das war schon eine besondere Herausforderung. Zuerst mussten wir die Hanglage etwas abfangen, damit der Wagen überhaupt auf einer ebenen Fläche stehen kann, dann mussten der Untergrund vorbereitet und der Bauwagen hierher transportiert werden“, sagt Henning Spieler vom Baubetriebshof – mit Tieflader, Kran und Traktor, und das alles bei hochsommerlichen Temperaturen. Auch der Stromanschluss fiel in das Aufgabengebiet des Baubetriebshofes.
Bauwagen für schlechte Witterung
Der Bauwagen der Firma Nawalo, zwölf Meter lang und drei Meter breit, steht nun sicher auf mehreren Stützen und selbst die Achsen wurden nochmals mit zusätzlichen Stützen verstärkt. „Der Wagen steht ja bei Wind und Wetter hier draußen und muss schon dementsprechend stabil sein“, sagt Andreas Breitinger vom Ressort Immobilienmanagement. Im Innenbereich, der bei schlechtem Wetter als Ausweichmöglichkeit für die Kinder und Erzieherinnen dient, wurde alles nach Wunsch gefertigt:
Eine Sitzgruppe mit Hockern, die zugleich als Staufächer dienen, eine kleine Küche mit Wasserkanistern, zwei Waschbecken, Kochfeld und wiederum viel Stauraum und eine Garderobe für die Kleidung der Kinder. Auch eine Toilette ist vorhanden, genauso wie es eine Außentoilette geben wird, und eine zweite Ebene teilt den Raum im hinteren Bereich nochmal auf und bietet den ein oder anderen Rückzugsort. In der kalten Jahreszeit sorgen Heizkörper für eine Möglichkeit zum Aufwärmen.
Spielen ja, aber anders
Alles da also, was die Grashüpfer künftig für ihre Kindergartenzeit in Beuerlbach benötigen, und dennoch ist die Einrichtung überschaubar: nicht nur im Hinblick auf die Anzahl der Kinder und die Ausstattung, sondern auch bei den Kosten, denn insgesamt wurden nur rund 200.000 Euro dafür ausgegeben. „Besonders gut läuft hier die Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der Dorfgemeinschaft", betont Markus Bienert, Leiter des Ressorts Bildung & Wirtschaft. So gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft beispielsweise Bienenstöcke, wo die Kinder künftig Einblicke in die Honigproduktion erhalten können, oder einen benachbarten Bauern, der die Kleinen mal mit in den Stall nehmen kann.
„Das Besondere ist ja, dass auch hier der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung Baden-Württemberg zugrunde liegt, wir aber in vielen Bereichen etwas anders vorgehen und kein so starres Raster haben wie in herkömmlichen Einrichtungen“, sagt Offenhäuser, und Yvonne Stimpfig als künftige Leiterin der Grashüpfer ergänzt: „Die Kinder erleben die Natur und die Jahreszeiten hautnah. Natürlich wird auch bei uns mal gebastelt, gemalt oder gespielt, aber wir verwenden dann vielleicht andere Materialien.“
So schwebt ihr beispielsweise vor, Spiele aus Naturmaterialien selbst zu bauen, die Feinmotorik beim Bohren und Zusammensetzen von Kastanienmännchen zu üben oder im Bereich der frühkindlichen Bildung mit Steinen und Hölzern ein erstes Mengenverständnis zu erzielen. Stimpfig selbst freut sich jedenfalls schon auf den Start im September, wenn sie mit zwei weiteren Kolleginnen und den ersten Kindern der Wiese und dem Bauwagen in Beuerlbach Leben einhauchen kann.
Info: Für den Naturkindergarten Grashüpfer in Beuerlbach sind noch Plätze frei. Die Betreuung dort erfolgt zwischen 7.30 und 13.30 Uhr. Eltern, die Interesse daran haben, können ihre Kinder über das Elternportal unter https://cockpit.crailsheim.nemborn.de/Frontend/admissionProcess anmelden.