Fairtrade-Stadt

Jugendliche setzen Zeichen für faire Mode

Einige Personen stehen in einem Kleiderladen, teilweise mit Plakaten in der Hand
von links) Helene Urbain, Niklas Windsheimer, Paul Wolf, Pfarrer Uwe Langsam, Ursula Kapeller, Bella Schroth und Leni Gundel.

Eine Fairtrade-Aktion im Rot-Kreuz-Laden in der Lange Straße rückt derzeit faire Mode und globale Gerechtigkeit in den Fokus. Vier Schülerinnen und Schüler haben im Rahmen der Fairtrade-Stadt Crailsheim Informationen zum Thema Fair Fashion erarbeitet, diese auf Leinwand dargestellt und machen damit die Auswirkungen unseres Konsums sichtbar.

„Im Schnitt kauft jeder Deutsche im Jahr rund 60 Teile“, erklärt Niklas Windsheimer. „Das hat uns wirklich überrascht, wie viele Kleidungsstücke das pro Jahr sind.“ Diese Zahl war für ihn und seine Mitschüler Paul Wolf, Bella Schroth und Leni Gundel der Ausgangspunkt für eine Aktion, die jetzt im Rot-Kreuz-Laden in der Lange Straße auf faire Mode und globale Gerechtigkeit aufmerksam macht.

Konsumverhalten bewusst hinterfragen
Die Aktion ist Teil der Fairtrade-Stadt Crailsheim. „Wir haben uns dafür entschieden, viele Infos zum Thema Fair Fashion zu recherchieren und anschaulich darzustellen“, ergänzt Paul Wolf. Bella Schroth und Leni Gundel setzten dabei auf Schlagworte und farbliche Akzente. Auch privat leben die Jugendlichen das Thema: Sie tragen gebrauchte Kleidung, kaufen Secondhand oder tauschen und verkaufen über Apps.

Entstanden ist die Aktion aus der Beschäftigung mit dem Thema Gerechtigkeit im Religionsunterricht der 7. Klasse sowie im Konfirmandenunterricht von Pfarrer Uwe Langsam, der auch Vorsitzender der Aktionsgruppe Fairtrade-Stadt Crailsheim ist. „Der Anstoß kam schon von mir, aber sie haben alle vier schnelle Eigeninitiative gezeigt“, sagt er.

Schnell stand eine zentrale Frage im Raum: Unter welchen Bedingungen wird unsere Kleidung produziert – und welche Folgen hat unser Kaufverhalten? Besonders das Thema Fast Fashion rückte in den Fokus. Die Jugendlichen beschäftigten sich mit den Auswirkungen der schnellen und billigen Massenproduktion auf Menschen und Umwelt. Sie erfuhren, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter in Produktionsländern unter schwierigen Bedingungen und für geringe Löhne arbeiten, während gleichzeitig enorme Ressourcen verbraucht werden. So wurde deutlich, wie eng Konsumentscheidungen hier mit Lebensbedingungen anderswo auf der Welt verknüpft sind.

Die städtische Klimaschutzmanagerin Helen Urbain begrüßt dieses Engagement. „Das bringt deutlich mehr, als wenn sie das nur mal so erzählt bekommen.“

Starker Partner im Rot-Kreuz-Laden
Mit dem Rot-Kreuz-Laden war schnell ein passender Partner gefunden. Dort erhält die Aktion einen sichtbaren Platz – und trifft auf offene Ohren. „Wir bekommen so viele Kleidungsstücke, wir wissen bald nicht mehr wohin damit“, sagt Ursula Kapeller, die vor Ort verantwortlich ist. Umso mehr freut sie sich über die Initiative der Jugendlichen. „Neu muss es nicht immer sein. Zu uns kann jeder kommen und einkaufen“, erklärt sie. „Dieser Laden ist für alle bewussten Menschen, die nachhaltig kaufen möchten.“

Die Aktion passt zum Ziel der Fairtrade-Stadt Crailsheim, fairen Handel vor Ort stärker zu verankern und das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum zu fördern. Gemeinsam mit Schulen, Kirchengemeinden und weiteren lokalen Akteuren werden regelmäßig Projekte angestoßen, die globale Zusammenhänge greifbar machen.

Erinnerung an Rana Plaza
Zusätzliche Aktualität erhält die Aktion durch ein trauriges Jubiläum: In dieser Woche jährt sich der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch zum 13. Mal. Mehr als tausend Menschen starben damals – bis heute gilt die Katastrophe als Mahnmal für die Missstände in der Textilindustrie.

Auch die internationale Fashion Revolution Week greift dieses Ereignis auf und fordert bessere Arbeitsbedingungen und mehr Transparenz in Lieferketten. Daran knüpft auch der Rot-Kreuz-Laden an: Am Freitag und Samstag, 24. und 25. April, sind dort weitere Aktionen geplant.

Crailsheim als Fairtrade-Stadt
Seit Januar 2024 trägt Crailsheim offiziell den Titel Fairtrade-Stadt. Ausgezeichnet wird damit das Engagement für gerechte Handelsstrukturen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne; jüngst wurde die Auszeichnung erneut für zwei Jahre verliehen.
Getragen wird das Projekt von einer lokalen Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Stadtverwaltung, Einzelhandel, Schulen, Kirchen und Vereinen. Gemeinsam machen sie fairen Handel sichtbar und zeigen: Auch lokales Handeln kann einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit im weltweiten Handel leisten.

Die aktuelle Aktion im Rot-Kreuz-Laden macht genau das sichtbar – und zeigt zugleich, dass gerade junge Menschen wichtige Impulse für bewussteren Konsum setzen können.

(Erstellt am 21. April 2026)