Stadtfeiertag I

Investitionen trotzen dem Finanzdruck

Ein Mann mit Amtskette steht an einem Rednerpult vor einer Leinwand
Beim traditionellen Empfang zum Stadtfeiertag 2026 skizzierte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer die zentralen Projekte und Herausforderungen für Crailsheim.

Beim Empfang zum Stadtfeiertag 2026 gab Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer in seiner Rede einen umfassenden Einblick in die kommunalpolitische Agenda. Er sprach über die ambitionierte Neugestaltung der Innenstadt, den ernsten finanziellen Druck auf die Kommunen und einen ersten Erfolg bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung.

In seiner Rede vor zahlreichen Ehrengästen aus Stadtgesellschaft, Vereinsleben und Ehrenamt hat Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer beim traditionellen Empfang zum Stadtfeiertag die zentralen Herausforderungen und Projekte für Crailsheim skizziert. Nachdem er das unverzichtbare Engagement der Ehrenamtlichen als Fundament der Stadtgesellschaft gewürdigt hatte, zeichnete er ein Bild einer Stadt, die trotz angespannter Haushaltslage mutig in ihre Zukunft investiert.

Ein zentrales Vorhaben ist die Weiterentwicklung der Innenstadt. Angesichts eines tiefgreifenden Wandels könne der Einzelhandel allein die Anziehungskraft nicht mehr sichern. Für Grimmer ist eine moderne Innenstadt ein multifunktionaler Raum: „Sie ist ein Ort zum Einkaufen, Wohnen, Arbeiten, für Freizeit, Begegnung und Aufenthalt – kurz gesagt: das Herz, das Wohnzimmer einer Stadt.“ Um diese Vision zu verwirklichen, setzt die Stadt auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen, zu dem neben Pop-up-Stores und der „Essbaren Stadt“ vor allem die Neugestaltung der öffentlichen Freiräume gehört. Ein hochkarätig besetzter Wettbewerb, zu dem 20 Landschaftsarchitekturbüros eingeladen waren und neun Büros Entwürfe einreichten, hat vor kurzem drei Preisträger hervorgebracht. Im Frühjahr soll der Gemeinderat über die Vergabe entscheiden, wobei Grimmer zusicherte: „Die weitere Planung erfolgt transparent und unter weiterer Beteiligung von Eigentümern, Anwohnenden, Gewerbetreibenden und der Stadtgesellschaft insgesamt.“

Deutliche Töne schlug der Oberbürgermeister beim Thema der kommunalen Finanzen an. Steigende Kosten, insbesondere im Sozialhaushalt des Landkreises, dessen Bedarfe über die Kreisumlage von den Städten und Gemeinden eingeworben wird, wachsende Aufgaben und unsichere Einnahmen würden den Handlungsspielraum spürbar einschränken. Er kritisierte die unzureichende Finanzierung von Aufgaben, die den Kommunen von Bund und Land übertragen werden. Mit einem pointierten Zitat aus einem von der Landeshauptstadt Stuttgart in Auftrag gegebenen Gutachten zum Konnexitätsprinzip brachte er die Misere auf den Punkt: „Kommunen müssen Bundesgesetze umsetzen, bis sie zusammenbrechen.“

Drei Männer und eine Frau spielen Saxophon
Die Crailsheim Saxophonics begleiteten den Empfang zum Stadtfeiertag 2026 musikalisch.

Als aktuelles Beispiel nannte er den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung, ein sinnvolles Ziel, das aber für die Kommunen ohne ausreichende Mittel und das nötige Personal kaum leistbar sei. Für Crailsheim gab er dennoch vorsichtig Entwarnung: Dank einer diversifizierten und robusten Gewerbestruktur gehe es der Stadt „noch vergleichbar gut“, weshalb man weiterhin in wichtige Infrastrukturprojekte investieren werde, auch wenn der Haushalt mittelfristig nicht ausgeglichen werden könne.

Trotz des Verlustes verschiedener Arztsitze in der jüngeren Vergangenheit konnte Dr. Grimmer im Bereich der medizinischen Versorgung auch positive Entwicklungen vermelden. Angesichts der aktuellen Lage und der Altersstruktur vieler niedergelassener Ärzte hat die Stadt ein Maßnahmenpaket entwickelt, um die Versorgung langfristig zu sichern. Dazu gehören finanzielle Anreize zur Praxisübernahme sowie ein städtisches Stipendienprogramm für Medizinstudierende. „Erfreulicherweise ist mit einem ersten Stipendiaten ein vielversprechender Anfang gelungen“, verkündete der Oberbürgermeister.

Im weiteren Ausblick auf das Jahr 2026 ging Grimmer auf eine Reihe wichtiger Ereignisse und personeller Veränderungen ein. So wird Michael Kreusch Mitte April die Nachfolge von Uwe Macharzenski als kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke antreten. Dem bisherigen Geschäftsführer dankte er für dessen geleistete Arbeit.

Politisch stehen neben der Landtagswahl am 8. März auch die Wahl des 11. Jugendgemeinderats sowie die Wahl der Nachfolge von Sozial- & Baubürgermeister Jörg Steuler im Juli an. Eine bedeutende Änderung wird es beim Fränkischen Volksfest geben: Nach 42 erfolgreichen Jahren übergibt die Festwirtfamilie Hahn den Staffelstab an die erfahrene Familie Reisinger aus Straubing. Auch die internationalen Beziehungen werden gepflegt: Bürgerreisen nach Bilgoraj und Worthington stehen an, bevor mit den amerikanischen Freunden im kommenden Jahr das 80-jährige Partnerschaftsjubiläum gefeiert werden soll. Einen letzten Blick richtete der Oberbürgermeister in die entferntere Zukunft: Bei der Interessensbekundung für die Durchführung der Gartenschau 2031 in Crailsheim warte man gespannt auf eine Rückmeldung des Landes, die noch im Februar erfolgen solle.

(Erstellt am 13. Februar 2026)