Fränkisches Volksfest
Engel-Zelt startet mit neuem Festwirt
Nach 42 Jahren endet eine Ära auf dem Fränkischen Volksfest in Crailsheim: Die Familie Hahn gibt das Engel-Zelt aus terminlichen und personellen Gründen ab – im besten Einvernehmen mit Stadt und Partnern. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn: Mit der erfahrenen Festwirtsfamilie Reisinger steht ein engagierter Nachfolger bereit, der Bewährtes fortführt und neue Akzente setzt. Alle Beteiligten blicken positiv in die Zukunft des Volksfests – und freuen sich auf neue Kapitel mit vertrauter Volksfeststimmung.
„Unser Weggang vom Fränkischen Volksfest in Crailsheim hat nichts mit der Umgestaltung des Volksfestplatzes zu tun. Vielmehr ist es die Kombination aus termin- und kapazitätsbedingten Gründen, die schweren Herzens dazu geführt hat.“ Mit diesen Worten macht Michael Hahn klar, warum seine Familie das traditionsreiche Engel-Zelt nach mehr als vier Jahrzehnten nicht weiterführen wird.
Schockmoment für die Partner
Die Nachricht kam für die Stadt Crailsheim völlig überraschend. Susanne Kröper-Vogt, Leiterin des Ressorts Soziales & Kultur, sagt offen: „Es war tatsächlich ein Schock, als uns Michael Hahn mitteilte, dass es ihm nach 42 Jahren personell und terminlich nicht mehr möglich sein wird, unsere Zelte zu bewirten.“ Die Stadt habe noch versucht, ihn umzustimmen, allerdings ohne Erfolg. Umso erleichterter zeigt sich Kröper-Vogt darüber, dass Hahn selbst potentielle Nachfolger ins Spiel brachte. „Einer war die Familie Reisinger und mit dieser haben wir einen tollen Nachfolger als Festzelt-Wirte gefunden“, sagt sie.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer erinnert sich ebenfalls sehr persönlich an das Engel-Zelt: „Die Familie Hahn gehört nach vier Jahrzehnten zum Volksfest wie das Riesenrad. Zu meinen Lebzeiten habe ich keinen anderen Festwirt des Engel-Zelts erlebt, als Jugendlicher dort Volksfestmomente gesammelt und besondere Erinnerungen an die Fassanstiche mit der Familie Hahn, die Festessen und Besuche mit Delegationen aus den Partnerstädten.“ Nach seinem Gespräch mit Michael Hahn könne er die Gründe für den Rückzug jedoch gut nachvollziehen. Die Zusammenarbeit sei über Jahrzehnte hinweg sehr gut gewesen. Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Grimmer optimistisch: Familie Reisinger sei auf vielen großen Festen vertreten und ausgewiesene Experten in der Zeltwirtschaft. „Die Messlatte ist natürlich hoch, aber wir sind überzeugt, dass sie an die Arbeit der Familie Hahn nahtlos anknüpfen werden“, sagt der Oberbürgermeister.
Schnelle Einigung mit Reisinger
Auch bei der Biermanufaktur Engel, Namensgeberin des Festzelts, saß der Abschied zunächst tief. Alexander Fach, Inhaber der Brauerei, betont: „Die Familie Hahn und uns verbindet nach so langer Zeit eine enge Freundschaft. Michael und ich waren damals zu Beginn noch Kinder.“ Entsprechend hart sei die Entscheidung gewesen. Gleichzeitig lobt Fach den konstruktiven Übergang: Schon über die Weihnachtsfeiertage habe man engen Kontakt mit den vorgeschlagenen Nachfolgern gehabt und konnte sich schnell einigen. „Wir schauen positiv in die Zukunft mit Familie Reisinger und sind sehr überzeugt, dass das klappt“, so Fach.
Die neue Festwirtsfamilie mit Thomas und Ramona Reisinger an der Spitze kommt aus Straubing und betreibt unter anderem ein Festzelt auf dem Gäubodenfest sowie bei den Volksfesten in Vilsbiburg und auf der Bartlmädult in Landshut. Thomas Reisinger zeigt großen Respekt vor der Aufgabe: „Michael Hahn kennen wir schon lange und werden das Engel-Zelt schon deshalb verantwortungsbewusst weiterführen.“ Inhaltlich wolle man Bewährtes erhalten und zugleich behutsam weiterentwickeln. Geplant sind fränkische Spezialitäten beim Essen, weiterhin regionale Musiker mit neuen Akzenten, aber auch kleinere Veränderungen am Zelt selbst. So soll es ähnlich groß bleiben, aber um 90 Grad gedreht werden – mit einem größeren Biergarten statt dem kleinen Engel-Zelt. Darauf haben sich alle Beteiligten geeinigt.
Der neue Plan soll zunächst für zwei Jahre gelten. Nach dem abgeschlossenen Umbau des Volksfestplatzes könnten sich neue Möglichkeiten ergeben. „Dann haben wir mehr Möglichkeiten der Gestaltung“, sagt Susanne Kröper-Vogt und erinnert daran, dass sich auch das Festzelt unter Familie Hahn über die Jahre immer wieder verändert hat.
Hahn eng mit Volksfest verbunden
Ein Blick zurück zeigt, wie eng die Geschichte des Fränkischen Volksfests mit der Familie Hahn verbunden ist. Der erste Vertrag stammt aus dem April 1983. Beim Volksfest desselben Jahres übernahm der Betrieb zunächst nur die Küche, kurze Zeit später dann – damals noch mit Michaels Vater Claus – das komplette Engel-Zelt. Zuletzt bewirtschaftete die Hahn Zelt + Catering GmbH sowohl das große Engel-Zelt als auch den „Kleinen Engel“. Mit über 120 Metern Länge galt das große Zelt als das längste Europas. Legendär ist auch die Kastanie mitten im Zelt. „Fällen wollten wir den Baum nicht“, erinnert sich Michael Hahn.
Für ihn selbst überwiegen trotz aller Emotionen Dankbarkeit und Zuversicht. Die terminlichen Abstände zu anderen Festen seien zuletzt schlicht zu kurz gewesen, was immer wieder zu logistischen Problemen geführt habe. „Wir haben das einfach nicht mehr hinbekommen“, sagt Hahn offen. Gleichzeitig betont er: „Veränderungen bringen auch immer neue Chancen.“ Crailsheim habe eine ganz besondere Energie, die er als einmalig beschreibt. Umso mehr freue es ihn, dass mit den Reisingers eine renommierte Festzeltfamilie übernimmt. „Damit wird sicher auch das eine oder andere besser und schöner werden. Es wird noch viele weitere tolle Volksfeste in Crailsheim geben“, ist sich Michael Hahn sicher.
Sein Dank gilt den Gästen, Musikern, Lieferanten, Mitarbeitern sowie der Stadt und der Engelbrauerei. Oberbürgermeister Grimmer gibt diesen Dank zurück: „Wir haben die Familie Hahn viele Jahre als verlässlichen Partner geschätzt – und sind zugleich froh, in der Familie Reisinger einen neuen Wegbegleiter für das Fränkische Volksfest gefunden zu haben.“