Verpflichtung

Vertrauen statt Lautstärke

ein Mann steht an einem Rednerpult, dahinter ist eine Kapelle zu sehen
Bei seiner Antrittsrede betonte der alte und neue Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, wie wichtig es sei, Gemeinsamkeiten zu finden anstatt das Trennende hervorzuheben.

Zum offiziellen Start der zweiten Amtszeit von Dr. Christoph Grimmer als Oberbürgermeister gratulierte die politische Prominenz aus der Region - und hatte viel Lob für den Wiedergewählten parat.

Regierungspräsidentin Susanne Bay brachte in ihrer Rede schnell auf den Punkt, was viele der Zuschauer im gut besuchten HANGAR Event Airport auch gedacht haben mögen: „Gerade hier in Crailsheim“ sei mit einem Blick auf die Geschichte ein Wahlergebnis von mehr als 85 Prozent nicht selbstverständlich – und schon gar nicht bei einer Wiederwahl. Das liege daran, dass Dr. Christoph Grimmer „die Menschen überzeugt“ und die Stadt eben gut geführt und nicht nur verwaltet habe.

Die verschiedenen Reden zur Amtseinsetzung von Dr. Grimmer hatten verschiedene Schwerpunkte, waren mal mehr, mal weniger launig formuliert – und hatten doch immer wieder diesen einen Fokus. Landrat Gerhard Bauer meinte augenzwinkernd, dass man solche Wahlergebnisse nur bekäme, wenn man Freibier für alle verspräche oder der einzige Kandidat sei. Dass er es trotzdem geschafft habe, zeige einfach, dass Grimmer in seiner ersten Amtszeit "geliefert" habe. Außerdem freue er sich sehr, dass sie beim Thema Gesundheitsversorgung im Landkreis an einem Strang zögen.

Damian Komor als Vertreter des Gemeindetages Baden-Württemberg und des baden-württembergischen Städtetags bemühte die sportliche Metapher: Sein Erfolg sei mehr als der Applaus von den Rängen, es sei das Bekenntnis zu seiner Spielidee. Grimmer sei jemand, der auch vorne stehe, "wenn der Spielstand eng wird", sprich wenn Entscheidungen vielleicht nicht populär, aber notwendig sein mögen. Außerdem betonte Komor, wie wichtig es sei, dass Grimmer sowohl Stadt als auch Heimat auf Landes- und Bundesebene vertrete und somit dafür sorge, dass sie auch überregional auf dem Radar ist.

Personalratsvorsitzende Ulrike Fischer lobte den respektvollen Umgang untereinander sowie Grimmers Verlässlichkeit, immer mit dem gemeinsamen Ziel, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, zu sichern und weiterzuentwickeln. Sie freue sich bereits jetzt auf die kommenden Jahre vertrauensvoller, sachlicher und respektvoller Zusammenarbeit.

eien Frau und zwei Männer lächeln in die Kamera
Auch Regierungspräsidentin Susanne Bay und Landrat Gerhard Bauer gratulierten dem alten und neuen Oberbürgermeister.

Bei Sozial- & Baubürgermeister Jörg Steuler schwang in seiner Begrüßungsrede kurz etwas Wehmut mit - aber nur ob der Tatsache, dass die gemeinsame Zusammenarbeit aufgrund seines Ausscheidens nur noch einige wenige Monate andauere. Seine Botschaft war aber auch eindeutig: Heute sei ein guter Tag für Crailsheim. Zwar sei alles, was geleistet werde, als Teamleistung zu verstehen, aber es sei alles andere als egal, wer Oberbürgermeister und damit "Taktgeber" sei.

Ulrich Tomaschewski, der als ältestes Mitglied des Gemeinderates die offizielle Verpflichtung vornahm, verzichtete darauf, alle Dinge aufzuzählen, die in der ersten Amtszeit von Dr. Grimmer umgesetzt wurden – "denn dann würde es ein langer Abend." Wichtig war ihm jedoch zu betonen, dass er die Stadt gut durch die sogar weltweiten Krisen wie Corona geführt habe.

Grimmer selbst gab in seiner Rede zu, dass ihn die erste Einsetzungsfeier im Februar 2018 bis heute getragen habe und er dies noch einmal erleben wollte. Gleichzeitig verstehe er seine Wiederwahl nicht als persönlichen Erfolg, sondern als Auftrag, Verantwortung zu übernehmen, Aufgaben weiter anzupacken, zu gestalten, zu führen, zu moderieren, zu lenken - und vor allem: zu verbinden. Verantwortung bedeute für ihn, sich als Teil des Ganzen zu begreifen und die Sache in den Vordergrund zu stellen. Es sei eine schlechte Entwicklung, wenn immer mehr gefordert würde ("Vollkaskomentalität"), und dabei gleichzeitig die Bereitschaft schwinde, selbst Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig kritisierte er, dass derzeit Lautstärke oft mit Führung verwechselt werde, Polarisierung, Dauerkritik und -erregung als Durchsetzungsfähigkeit missinterpretiert würden. "Aber Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Verbindlichkeit und Verlässlichkeit", sagte Grimmer und versprach, weiterhin verbinden zu wollen. Schließlich sei "das Bewusstsein des Gemeinsamen wichtiger als das ständige Hervorheben des Trennenden".

eine Kapelle auf einer großen Bühne
Die Stadtkapelle unter der Leitung von Musikdirektor Franz Matysiak begeisterte das Publikum im HANGAR Event Airport.

Mehr Applaus als der Oberbürgermeister selbst bekam an diesem Abend nur die Stadtkapelle unter Leitung von Musikdirektor Franz Matysiak, die sowohl mit festlichen Stücken wie der "Fanfare Festive" oder "Fanfare and Flourishes" als auch mit melodisch-dynamischen Beiträgen wie "Yellow Mountains", "On Fire" und "Viva la Vida" die Zuschauer sowie Ehrengäste begeisterte. „Sie sind fantastisch, Sie begeistern uns immer wieder mit Ihrer Musik und Energie und Spielfreude", lobte der alte und neue Oberbürgermeister.

Und natürlich durfte auch die Bürgerwache nicht fehlen, die zum Abschluss nicht nur den traditionellen Ehrensalut durchführte, sondern den Gästen auch noch eine sehr gelungene Abendserenade präsentierte.

(Erstellt am 11. Februar 2026)