Nachhaltigkeitspreis
Schüler verkaufen fair gehandelte Produkte
Mit Eigeninitiative, Teamgeist und einem klaren Ziel vor Augen haben Schülerinnen und Schüler der Realschule am Karlsberg und der Fröbelschule ein Projekt auf die Beine gestellt, das nicht nur für nachhaltigen Konsum, sondern auch für gelebte Verantwortung steht: den „Rakla“ – einen Schülerladen, der fair gehandelte Produkte anbietet. Was als einfache Idee begann, entwickelte sich zu einem erfolgreichen Projekt. Dafür gab es jetzt den Nachhaltigkeitspreis der Stadt Crailsheim.
„Vielen Dank, dass wir heute hier sein dürfen, und herzlichen Glückwunsch zum Nachhaltigkeitspreis der Stadt Crailsheim.“ Mit diesen Worten hat Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer die Schülerinnen und Schüler der Realschule am Karlsberg (RaK) und der Fröbelschule Ellrichshausen für ihr gemeinsames Projekt „Rakla“ gewürdigt.
Verkauf in der großen Pause
Der „Rakla“ – eine pfiffige Abkürzung für „Realschule am Karlsberg-Laden“ – öffnet jeden Donnerstag in der ersten großen Pause. Etwa 15 freiwillige Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 und 7 aus beiden Schulen engagieren sich dabei Woche für Woche. Begleitet wird das Projekt von den Lehrkräften Nadine Glück-Grau, Dorothee Munzinger und Timo Schnell von der RaK sowie Karin Wieler von der Fröbelschule.
Der mobile Verkaufsstand auf Rollen, den die Schülerschaft gemeinsam mit Techniklehrer Timo Schnell gebaut hatte, wird immer kurz vor der Pause aufgebaut. Die Kasse holen die Schülerinnen und Schüler im Sekretariat, den Kassensturz übernehmen immer zuverlässig die Fröbelschüler. Lehrerin Karin Wieler erklärt: „Sie zählen ganz gewissenhaft die Einnahmen, füllen die Kasse mit Wechselgeld auf und besorgen bei Bedarf auch Wechselgeld bei der Bank.“ Oberbürgermeister Grimmer lobt das Engagement der Jugendlichen: „Das ist gelebte Nachhaltigkeit und stärkt zugleich auch Unternehmergeist, Sozialkompetenz und Teamarbeit.“
Nachhaltigkeitspreis mal zwei
Beim Verkauf selbst stehen immer drei Schülerinnen und Schüler am Stand: zwei von der RaK, einer von der Fröbelschule. Der Andrang ist immer gut, viele Mitschüler nutzen die Gelegenheit, faire Produkte zu kaufen. „Mit ‚Rakla‘ zeigt ihr, wie junge Menschen von einer Idee ausgehend Verantwortung übernehmen, nachhaltig wirtschaften und dabei auch noch gemeinsam mit einer anderen Schule, der Fröbelschule, kooperieren“, betont Grimmer bei der Preisverleihung kurz vor der großen Pause.
Der Nachhaltigkeitspreis wird in diesem Jahr aufgrund einer Stimmengleichheit bei der Jury-Entscheidung an zwei Schul-Projekte vergeben – neben dem „Rakla“-Team wird auch das Wildbienen-Projekt der Käthe-Kollwitz-Schule ausgezeichnet. Neben einer Urkunde erhalten die Preisträger jeweils 500 Euro. Auf die Frage des Oberbürgermeisters, was mit dem Preisgeld passieren solle, hatten die Schülerinnen und Schüler an der RaK sofort eine klare Antwort: ein gemeinsamer Ausflug, die Verschönerung des Verkaufsstandes und weiterhin faire Preise für die Mitschüler.
Preise bezahlbar halten
„Wir haben schon sehr viele Anfragen von Schülern, die ab dem nächsten Jahr gerne mitmachen wollen“, freut sich Glück-Grau. Einmal im Monat trifft sich das Team, um Preise, Sortiment und Standdienste zu besprechen. „Wenn die Einkaufspreise für die Produkte steigen, dann schauen wir, wie wir das für die Schüler immer noch bezahlbar halten können“, erklärt Dorothee Munzinger. Derzeit wird eine Aktion geplant, wie Ware, die in den Sommerferien abläuft, unter die Leute gebracht werden kann.
Zum Sortiment gehören fair gehandelte Produkte der GEPA, ergänzt durch gesponserte Limonade eines Getränkemarkts aus Satteldorf und zeitweise aus Aktionen mit dem Crailsheimer Biotop Naturkost&Café. „Wir verkaufen hier quasi alles zum Einkaufspreis, teilweise auch darunter. Es soll ja für die Schüler bezahlbar bleiben“, sagt Glück-Grau. Besonders beliebt sind die Erdbeerschokolade und die Limonade.
Gutscheine als Geschenk
Für das Kollegium gab es zu Weihnachten Gutscheine als Dankeschön, denn der Verkauf funktionierte nur, weil Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler gelegentlich früher aus dem Unterricht gehen lassen. „Manche Lehrer kaufen sogar Gutscheine für Schüler, die zum Beispiel keinen einzigen Hausaufgabenstrich bekommen haben“, erzählt Munzinger mit einem Lächeln.
Die Freude über den Nachhaltigkeitspreis war groß – doch auf ihren Lorbeeren ruhen sich die Schülerinnen und Schüler nicht aus. Techniklehrer Timo Schnell verrät schon die nächste Idee: einen eigenen Saftladen. „Auf unserem Gelände stehen Streuobstbäume, die ohnehin versaftet werden. Das wollen wir ins Sortiment aufnehmen.“ Gespräche mit einer Safterei laufen, ebenso die Planung eigener Etiketten – und so soll der „Rakla“ bald um ein weiteres regionales Produkt erweitert werden.
Info: Die Stadt Crailsheim verleiht seit dem Schuljahr 2023/2024 jährlich den Nachhaltigkeitspreis, um besonderes Engagement im Klima-, Natur- und Artenschutz sowie in den Bereichen Energie und Mobilität zu würdigen. Der Preis richtet sich an Schulen, Klassen, Vereine und Jugendgruppen aus dem Stadtgebiet und ist mit 1.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Projekte, die bereits umgesetzt sind oder als kreative Idee mit Vorbildcharakter überzeugen. Eine Jury aus Vertretern der Stadtverwaltung, des Gemeinderats, des Jugendgemeinderats sowie Umweltverbänden entscheidet über die Vergabe. Ziel des Preises ist es, nachhaltiges Handeln sichtbar zu machen und neue Initiativen zu fördern.