Verkehrskonzept

Crailsheim ist keine Insel der Glückseligkeit

Gruppe steht zusammen und diskutiert
Intensiv wurde in Kleingruppen über das Konzept mit seinen Vor- und Nachteilen diskutiert.

Beim Bürgerforum hatten Interessierte vor Kurzem die Möglichkeit, die von der Verwaltung vorgeschlagenen Konzepte zur verkehrlichen Situation der Innenstadt weiterzuentwickeln oder auch ganz neu zu konzipieren.

Welche Funktion soll und kann die Innenstadt Crailsheims in der Zukunft haben? Diese Frage stellte Sozial- & Baubürgermeister Jörg Steuler als übergeordneten Aspekt zu Beginn des Bürgerforums, das vergangene Woche im Hangar stattfand. Insgesamt 50 Interessierte waren gekommen, um sich aus erster Hand über das Verkehrskonzept der Stadtverwaltung zu informieren und eigene Ideen einzubringen.

Bundesstraße als trennendes Element
Steuler fasste das geplante Projekt zu Beginn zusammen und erläuterte, wieso auch in Crailsheim die Verkehrsstrukturen auf den Prüfstand gestellt werden sollten: „In einem Mittelzentrum, wie wir es sind, führt eine vielbefahrene Bundesstraße mitten durch den Haupteinkaufsbereich. Ich kenne hierfür bundesweit kein anderes Beispiel.“ Die Folgen sind nicht nur eine hohe Lärmbelastung, eine eher trennende statt verbindende Wirkung sowie keine sichere Verkehrsführung für Radfahrer, die zudem auch den ÖPNV gehörig ausbremst.
Der Verwaltung und den Crailsheimer Bürgerinnen und Bürger blieben somit nur zwei Möglichkeiten, die Steuler so zusammenfasste: „Wir tun nichts und der liebe Gott oder Jeff Bezos wird es schon richten. Oder wir werden aktiv und gestalten selbst. Dieses ist ganz entschieden auch meine Position.“ Für Steuler steht in dem Zusammenhang fest: „Wir sind keine Insel der Glückseligkeit, die sich von allen abschotten kann.“ Aus diesem Grund habe die Verwaltung auch gehandelt und drei Verkehrskonzepte vorgestellt, die im Kern eine Sperrung der Wilhelm- und Karlstraße sowie eine Verlegung der Bundesstraße weg vom Ortskern hin zur Nord-West-Umgehung vorsehen.

Präsentation an Tafel
Am Ende der dreistündigen Veranstaltung präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse den übrigen Teilnehmenden.

Einzelhandel stärken
„Wir wollen den Einzelhandel stärken, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern und und die Frequenzen erhöhen“, fasste Steuler die Ziele zusammen, räumte dabei aber auch ein: „Fairerweise muss erwähnt werden, dass dies für den Einzelhandel nur ein Baustein ist und alleine nicht ausreicht.“ Ebenfalls wurde er in seiner Vorstellung auch nicht müde zu betonen, dass es das klare Ziel sei, zwar eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Stadt zu schaffen, die Rahmenbedingungen für den Autoverkehr jedoch nicht zu verschlechtern. „Aber wir wollen auch die Bedürfnisse der anderen Teilnehmer, das heißt die der Fußgänger, der Radfahrer und der Busfahrer gleichermaßen betrachten und deren Möglichkeiten deutlich verbessern“, gab er zu bedenken.

Neue Ideen entwickelt
In Kleingruppen hatten die Teilnehmenden schließlich die Möglichkeit, sich dem Thema auf ihre Art zu nähern. Eifrig wurde dabei sowohl über das vorliegende Konzept diskutiert als auch neue Ideen entwickelt. Bei vielen Beiträgen stand die Sorge im Raum, dass eine Umleitung des Verkehrs nur zu einer Problemverlagerung führe. Andere befürchteten, dass die Infrastruktur auch nach einer möglichen Ertüchtigung den Fahrzeugmassen nicht gewachsen sei und ein Kollaps drohe. Und manche kritisierten, dass das Konzept nicht weitreichend gedacht sei und eher zu einer weiteren Verschlechterung des Einzelhandels führen werde.
Zum Schluss der dreistündigen Veranstaltungen fanden sich jedoch auch viele neue Ideen. Die Einführung eines effektiven Parkleitsystems wurde dabei genauso gefordert, wie die Abschaffung des 15-minütigen Freiparkens durch die Parksanduhr. Auch eine Einbahnstraßenregelung in der Innenstadt, die eine innere Ringführung zur Folge hätte, wurde eifrig diskutiert. Eine Stärkung des Radverkehrs durch bessere Abstellmöglichkeiten und direktere Streckenführungen stand genauso auf der Vorschlagsliste, wie ein Ausbau des ZOB-Bereichs mit einem weiteren Parkhaus.

Bürgermeister redet vor Publikum
Sozial - & Baubürgermeister Jörg Steuler versprach, vor der endgültigen Umsetzung zunächst einen Verkehrsversuch zu wagen.

Verkehrsversuch soll kommen
Bürgermeister Steuler versprach, all diese Ideen aufzunehmen und zu prüfen. Dem Gemeinderat, der selbst im November einen entsprechenden Workshop durchführen wird, möchte die Verwaltung die Ideen präsentieren. Doch bevor etwas endgültig beschlossen wird, heißt es: auf Umsetzbarkeit testen. In einem Verkehrsversuch möchte die Stadtverwaltung das erfolgversprechendste Konzept für einen Zeitraum von einigen Monaten begrenzt auf Realisierbarkeit testen. Für Steuler ist die Sache eindeutig: „Es gibt Städte, die besser aufgestellt sind, und jene, die schlechter aufgestellt sind. Die, die besser aufgestellt sind, handeln. Und ich möchte, dass Crailsheim zu den besseren Städten gehört."

(Erstellt am 05. Oktober 2021)